„Heutzutage hat doch jeder Zweite Depressionen“

Autorin: Aylin Savci

Wir stellen euch mal ein paar Fakten zum Thema Depressionen vor – und wie häufig sie wirklich auftreten.

Fast jeder erlebt hin und wieder mal depressive Symptome wie Antriebslosigkeit oder Niedergeschlagenheit, vor allem in Kombination mit belastenden Ereignissen.
Doch ab wann kann man wirklich von einer behandlungsbedürftigen Depression sprechen und hat nicht jeder zweite heutzutage eine Depression?
Erst einmal gibt es nicht die eine Depression. Alle im ersten Bild gezeigten Störungen fallen unter die affektiven Störungen und sind nur ein Ausschnitt der verschiedenen Formen. Im Alltagsgebrauch werden häufig alle als Depression bezeichnet, wobei die Störungen typischerweise aber ganz unterschiedlich verlaufen.
Von einer behandlungsbedürftigen depressiven Störung spricht man erst, wenn die Symptome eine bestimmte Zeitdauer und Intensität überschreiten. Die einzelnen Symptome würden jetzt aber den Rahmen sprengen, weshalb wir in einem späteren Beitrag auf diese eingehen wollen.
Wir wollen erst einmal auf die Frage eingehen, ob es heute mehr Menschen gibt, die an affektiven Störungen leiden, als früher.
Nun, es stimmt, dass depressive Störungen zu den häufigsten psychischen Störungen weltweit gehören. Das Lebenszeitrisiko, irgendwann in seinem Leben an einer Depression zu erkranken, wird nach neueren Studien bei Erwachsenen auf über 20% geschätzt. Es liegen auch Hinweise vor, dass das Erkrankungsrisiko in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen ist, was daran liegen kann, dass vor allem jüngere Geburtskohorten ein höheres Risiko aufweisen, früher und häufiger an Depressionen zu erkranken als Ältere.
Das kann dadurch bedingt sein, dass wir heutzutage mehr über unsere Befindlichkeiten nachdenken als unsere Großeltern. Das Konzept der Psyche wird erst seit neustem in der Gesellschaft akzeptiert und ist, vor allem durch Aufklärung und Informationsvermittlung, weniger verbunden mit Vorurteilen.
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass im ärztlichen Versorgungssystem mit einer deutlich höheren Prävalenz auszugehen ist. An einem Stichtag in Hausarztpraxen erfüllen 11% der Patienten die Kriterien für eine Major Depression. Nur bei der Hälfte wird diese durch den Arzt erkannt.

Damit wollen wir euch eins mitgeben: Bitte unterschätzt depressive Störungen nicht und behaltet im Sinn, dass diese ganz unterschiedlich Verlaufen können.

Quellen:
Wittchen, H. U., & Hoyer, J. (2011). Klinische Psychologie & Psychotherapie (Vol. 1131). Heidelberg: Springer.

Hofer, J. (2017). Weshalb steigt die Zahl der Betroffenen? http://www.beobachter.ch/gesundheit/psychologie/depressionen-weshalb-steigt-die-zahl-der-betroffenen (04.05.2020)


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